Beschwerden


Sabrina Weißelberg, Physiotherapeutin:

“Rückenschmerzen gehören mit zu den häufigsten Beschwerden in unserer Zivilisation.”

In der Werbung begegnen uns täglich Tausende von Angeboten in Form von Salben und Pillen die uns Heilung versprechen.

Die Schwierigkeit in der Behandlung von Rückenschmerzen liegt darin des es 1000 mögliche Ursachen für diese gibt. Die Strukturen der Wirbelsäule selbst können Schwierigkeiten machen wie zum Beispiel die Bandscheiben, die Facettengelenke oder der Spinalkanal.
Verspannungen in der Muskulatur werden ganz besonders gerne erwähnt wobei diese meist eine reflektorische Reaktion und nur äußerst selten tatsächliche Ursache der Problematik sind.

Auf dem Formarsch der Vermeintlichen Übeltäter sind momentan die Faszien. Diese spielen Durchaus eine unverzichtbare Rolle in der Betrachtung von Rückenschmerzen (und dem Bewegungsapparat allgemein weil sie, ganz Laienhaft gesagt, alles zusammenhalten, verbinden, Kräfte übertragen und für Stoffwechsel und Kommunikationsprozesse im Gewebe verantwortlich sind. Damit erfüllen sie eine Elementare Rolle in unserem Körper).

Aber ob man sie für die Entstehung von Beschwerden verantwortlich machen kann sei in Frage gestellt.
Die Lokalen Strukturen sind nur ein kleiner Teil der möglichen Ursachen für Rückenbeschwerden. Spätestens seit bekannt werden der Osteopathie wissen wir, dass Organische Probleme ebenfalls Beschwerden an Rücken und Gelenke verursachen können bzw. sich dort bemerkbar machen können.

Nicht zu vergessen psychische und emotionale Ursachen die wir in der Psychosomatik finden sowie immunologische Gründe bei allen Rheumatischen Erkrankungen und Hormonelle Störungen die sich ebenfalls im Bewegungsapparat niederschlagen.
Die Liste der möglichen Ursachen ist unheimlich lang und sicher ist auch, alle Gründe für Rückenschmerzen kennen wir noch lange nicht.

Bei so vielen möglichen Ursachen liegt es auf der Hand das es nicht „die eine Behandlung“ die allen helfen kann geben kann.

Arthrose – Was hilft denn nun Wirklich

Spritzen, Pillen, Salben, Tinkturen, Tabletten und co versprechen uns täglich endlich die Lösung gefunden zu haben um Gelenkverschleiß aufzuhalten oder Knorpelschäden zu beheben. Was steckt wirklich dahinter? Meistens eine ausgeklügelte Marketingstrategie denn die Wundermittel beinhalten Stoffe, welche wir in einer anderen Zusammensetzung sowieso bei einer ausgewogenen Ernährung zu uns nehmen. Tatsache ist, dass unser Verdauungstrakt Nahrung und damit auch Nahrungsergänzungsmittel erst grob, durch unsere Zähne und dann ganz fein, durch Magensäure und Enzyme aufspaltet, bis davon nur noch die Grundbausteine übrigbleiben. Was dann noch von einer komplexen Hyaloronsäure übrig bleibt sind Kohlenhydrate, Proteine und ein paar andere Stoffe. Diese werden dann von der Darmwand aufgenommen verstoffwechselt und zu ihrem Einsatz Ort gebracht oder sofern möglich in Speichern eingelagert.

Hyaloronsäure die unter anderen, ein wichtiger Bestandteil von Gelenken ist, wird vom Körper selbst produziert. Das tut er allerdings nur wenn er den Richtigen Reiz dazu bekommt. Genauso wie ein Muskeln nicht ohne Trainingsreiz wächst kann auch sie nicht ohne Reiz gebildet werden. Das gilt nicht nur für Hyaloronsäure sondern auch für Knorpelfasern und alles andere in unserem Körper. Funktion formt das Organ. Bleibt die Funktion aus so wird das Organ abgebaut. Auch hier ist das beste Beispiel die Muskulatur. Es ist unglaublich wie schnell der Körper Muskulatur abbaut wenn sie nicht benutzt wird, wir sprechen dann von Atrophie. Nicht nur Muskulatur wird abgebaut und schwach wenn wir sie nicht benutzen sondern auch Knorpel. Aber was ist der Trainingsreiz für Knorpel?

Hierzu muss man sich die Frage stellen wofür er gemacht ist. Jeder weiß wofür Muskeln gemacht sind. Zum Bewegen, um sich zusammen zu ziehen, zu beschleunigen, zu halten oder zu bremsen. Und Knorpel? Um Druck abzufangen!!!

Demnach ist der Trainingsreiz für Knorpel Druckbelastung und hier sprechen wir nicht von ein paar Gram!

Berechnet man den Druck den ein gesundes Gelenk problemlos aushält und zum Erhalt braucht reden wir von mehreren hundert Kilo pro Quadratzentimeter!!! Das hört sich unglaublich an ist aber Alltag für unseren Knorpel. Er braucht es!

Wenn die Bedingungen stimmen schadet es Ihm nicht, im Gegenteil es macht ihn noch stärker!

An den „richtigen Bedingungen“ scheitert es aber meistens.

Unser Knorpel besteht zu 70-80% aus Wasser. Dieses Wasser wird gebunden an z.B. Hyaloronsäure (und andere Stoffe die ähnlich aufgebaut sind) damit ist es nicht flüssig sondern Gelee ähnlich. Im Inneren des Knorpels entsteht so ein Druck von bis zu 3 Bar.

Ja wieder eine unglaubliche Zahl. Ein Autoreifen hat gerade mal 2,4 Bar.  Was würde mit dem Autoreifen passieren wenn Sie ihn mit nur 1 Bar Druck fahren? Er hätte einen deutliche erhöhten verschleiß. Projizieren wir das auf den Knorpel ist es ganz logisch. Zu wenig Wasser führt zu geringem Innendruck im Knorpel und dies führt auf die Dauer zu verschleiß Erscheinungen.

Also ist eigentlich ganz klar was wirklich gegen Arthrose hilft:

  • Bewegung und Belastung
  • Genügend Wasser trinken (2Liter täglich, sofern keine Niereninsuffizienz vorliegt)
  • Ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung

Dazu gehört neben „etwas Gute zuführen“ auch „das Schlechte Weg lassen“ mit Dem „Schlechten“ sind Stoffe gemeint die den Stoffwechsel „sauer“ machen und natürlich Zellgifte wie Alkohol.

Auch wichtig ist zu erwähnen, dass nicht alle Gelenkschmerzen direkt Arthrose bedingt sein müssen

Arthrose macht vor allem Bewegungseinschränkungen, Steifheit und Unbeweglichkeit. Steht der Schmerz im Vordergrund könnten entzündliche Prozesse die Ursache sein.

Typisch ist, gerade bei beginnender Arthrose, dass Bewegung am Anfang zur Verbesserung der Beschwerden führt. Dies nennt man „ Anlaufschmerz“. Außerdem entsteht Arthrose langsam, sofern kein eindeutiges Trauma vorliegt. Wer also plötzlich mit deutlichen Beschwerden aufwacht, die nicht genau so schnell wieder verschwinden, sollte sich professionelle Hilfe suchen.

Entscheidend ist, dass jeder es selbst in der Hand hat. Arthrose ist keine Krankheit! Man bekommt sie nicht aus Zufall. Man kann etwas dagegen tun und vor allem sollte man es früh genug tun. Knorpel hat nämlich eine besondere Eigenschaft, er besitzt keine Nerven (durch den Hohen Druck könnten diese nicht mit Blut versorgt werden) d. h. Wenn ein Gelenk wegen Knorpelverschleiß anfängt zu schmerzen ist das kein Zeichen einer beginnenden Arthrose.

In diesem Sinne, bleiben Sie in Bewegung! Und das am besten jeden Tag!